Als der Krieg endet, ist Sophie eine Frau ohne Besitz, ohne Papiere, ohne Ehemann – aber nicht ohne Mut. Sie requiriert kurzerhand eine leer stehende Villa. Sie wird Dolmetscherin für die amerikanische Militärverwaltung. Sie überlebt die chaotischen Nachkriegsjahre durch Schwarzmarktgeschäfte, mit demselben kühlen Kopf, mit dem sie einst der Gestapo standgehalten hat. Und dann, in einer Wendung, die niemand erwartet hätte, nimmt sie den Mann wieder auf, der sie verraten hat – pflegt den kranken, geschiedenen Josef, ohne ihm je die Ehe zurückzugeben, aber auch ohne ihn im Stich zu lassen. „Was will man machen“, sagt sie nur dazu. Der Satz wird zu ihrem Lebensmotto.
1950, mit sechzig Jahren, mittellos, wandert Sophie in die Vereinigten Staaten aus. Sie beginnt als Dienstmädchen. Sie arbeitet sich zur Hotelempfangsdame hoch. Sie beobachtet, lernt, wartet den richtigen Moment ab – und beginnt, mit derselben Nüchternheit, mit der sie einst eine Gaststätte saniert hatte, an der Börse zu spekulieren. Innerhalb weniger Jahre wird aus der Frau, die mit einem Koffer eingereist war eine unabhängige, wohlhabende New Yorkerin, die Wohltätigkeitsgalas organisiert, Krankenhausrechnungen für fremde Kinder übernimmt und sich noch mit siebenundneunzig Jahren gegen einen Straßenräuber zur Wehr setzt – erfolgreich.
Und doch bleibt eine Wunde, die nie ganz heilt. 1984 bricht Sophie einen Schwur, den sie sich selbst vierunddreißig Jahre zuvor gegeben hatte: nie wieder deutschen Boden zu betreten. Sie tut es für ein Kind, das nach ihr benannt wurde – Romans Tochter, ihr Patenkind. Sie steht für die Taufe in einer bayerischen Dorfkirche, zum ersten Mal seit ihrer Flucht wieder auf deutschen Boden und lässt sich von niemandem ansehen, was es sie kostet.
Sechs Jahre später, an ihrem hundertsten Geburtstag, blickt Sophie zurück auf ein Leben, das sie zweimal von Grund auf neu aufbauen musste. Wenige Monate danach ist sie tot, und der Kühlschrank aus dem ersten Kapitel entpuppt sich als das, was er die ganze Zeit über war: der Beginn vom Ende. In einem Brief an ihr Patenkind fasst sie ihr Leben in einem einzigen Satz zusammen – demselben Satz, der diesem Buch seinen Titel gibt, und der klingt, als sei er resigniert, und doch das genaue Gegenteil ist: die Weigerung einer Frau, sich vom Schlimmsten, was Menschen einander antun können, die eigene Menschlichkeit nehmen zu lassen.
„Was will man machen?“ erzählt diese Geschichte nicht als Anklage, sondern durch die trockene, oft witzige, immer scharfsinnige Stimme einer Frau, die alles verloren und sich alles zweimal neu erarbeitet hat. Roman, der junge Neffe, der ihr all die Jahre zuhört, bleibt Rahmen und Erzähler – die eigentliche Hauptfigur ist und bleibt Sophie selbst






