Roman Hummelt wurde 1951 in Köln als Sohn von Hans Graf dem damaligen Mannschaftskapitäns des 1. FC Köln geboren. Nach seinem Studium der Betriebswirtschaft und einer Promotion über deutsch-osteuropäische Joint Ventures begann seine berufliche Laufbahn 1978 in New York, bei Panta Inc., der amerikanischen Interessensvertretung der Friedrich Flick KGaA. Es folgten Stationen bei Roland Berger und als Vorstandsmitglied der Waltham Group, wo er über zehn Jahre lang den Aufbau von Tochtergesellschaften in Mittel-, Ost- und Südosteuropa verantwortete. Seit 1993 führt er sein eigenes Beratungsunternehmen, IMC International Management Consultants, mit Sitz in Berg am Starnberger See.
Er ist Autor mehrerer Wirtschaftsbücher und zahlreicher Fachartikel, u. a. für den Hanser Verlag, das Handelsblatt und die New York Times, sowie Key Note Speaker bei Deutschen Auslandshandelskammern.
Mit „Was will man machen? – Begegnungen mit meiner Großtante Sophie“ legt er sein erstes literarisches Werk vor: die Geschichte seiner Großtante Sophie, einer Holocaust-Überlebenden, die er über zwölf Jahre lang aus erster Hand kennenlernte – eine Geschichte, die ihn sein ganzes Erwachsenenleben begleitet hat, bevor er sie dokumentierte.
„Als ich anfing, diese Geschichte aufzuschreiben, ging es mir vor allem um eines: dass meine Kinder, meine Enkel, irgendwann nachlesen können, wer Tante Sophie war. Nicht als Fußnote der Zeitgeschichte, sondern als starke Frau mit ihrem Zigarettenqualm, ihrer Schlagfertigkeit, ihrer Art, jeden Angeber mit zwei Sätzen zum Schweigen zu bringen.
Während ich an diesem Buch schrieb, geschieht etwas um mich herum, das ich mir vor wenigen Jahren nicht hätte vorstellen können. Jüdisches Leben in Deutschland steht wieder unter Druck. Es vergeht kaum ein Tag ohne eine neue Meldung, eine beschmierte Synagoge, ein bespuckter Mann mit einer Kippa. Man kann darüber streiten, woher dieser Hass diesmal kommt, welches seiner vielen Gesichter er trägt. Was sich nicht bestreiten lässt: Er ist wieder da, sichtbar, und er trifft wieder Menschen, die ihren Glauben leben ohne andere zu missionieren.
Ich habe mir lange überlegt, ob ich dieses Buch angesichts dessen anders hätte schreiben sollen: lauter, mahnender, mit erhobenem Zeigefinger. Ich habe mich dagegen entschieden. Tante Sophie selbst hätte darüber vermutlich nur den Kopf geschüttelt. Sie war keine Frau der großen Reden. Ihre Antwort auf das Unfassbare war nie die Anklage, sondern die Tat, ein Care-Paket, eine offene Tür für den Mann, der sie im Stich gelassen hatte, ein Satz wie „Was will man machen?“, der resigniert klingt und doch das Gegenteil von Resignation ist: die Weigerung, sich vom Hass die eigene Menschlichkeit nehmen zu lassen.
Ich glaube, das ist die einzige Antwort, die ich diesem Buch mitgeben kann, und vielleicht die einzige, die zählt. Nicht, weil Erinnerung von selbst etwas verhindert. Das tut sie nicht, wie wir gerade sehen. Sondern weil das Gegenteil von Vergessen nicht das Anklagen ist, sondern das Erzählen. Solange jemand von Sophie erzählt von ihrem Lachen, ihrem Durchsetzungsvermögen und ihrer Portweinflasche aus dem eigenen Geburtsjahr ist sie kein abstraktes Opfer einer vergangenen Zeit. Sie ist meine Tante. “
Roman Hummelt im August 2026

